Kreistag verabschiedet einen Medienentwicklungsplan ohne Ambitionen
Was ohnehin klar war geriet durch Corona so richtig ins Rampenlicht: Die digitale Ausstattung der Schulen weist große Defizite auf. Da passte es gut, dass mit dem Medienentwicklungsplan (MEP) bis 2024 die Digitalentwicklung der Schulen in der Wetterau Thema im Kreistag war. Wäre nun engagierte Diskussion angebracht gewesen, war für die regierende CDU-SPD-Koalition müdes Durchwinken angesagt. Die GRÜNEN forderten, den Plan zu beschließen, ihn aber binnen eines Jahres auf Grund der aktuellen Erfahrungen zu überarbeiten. Der Digitalisierung sollte so ein weiterer Schub gegeben werden. Die gesamte Opposition folgte, die Koalition wehrte ab.
Der Medienentwicklungsplan beruht auf Umfragen an den Schulen. Sie wurden vor Corona gemacht. Er verfolgt den planmäßigen, bürokratischen Ansatz einer alle vier, fünf Jahre erfolgenden Fortschreibung. Fraktionsvorsitzende Sylvia Klein: „Damit wird er den Notwendigkeiten einer forcierten digitalen Ausstattung nicht gerecht. Statt für die kommenden vier Jahre ehrgeizige Ziele zu formulieren, ergeht er sich im Wischiwaschi von Empfehlungen und Prüfungen. Uns reicht das nicht!“
„Wir wollen, dass in spätestens vier Jahren alle Schulen an Glasfaser angebunden sind. Gleiches gilt für flächendeckendes WLAN. Bis 2024 sollen mehr als 4.300 PCs ausgetauscht – und durch PCs ersetzt werden. Wir fragen uns, ob das noch auf der Höhe der Zeit ist. Wir sollten bis 2024 von den vielen Schulservern wegkommen und sie durch eine zentrale Serverarchitektur ersetzen. Auch ein zentrales Identitätsmanagement muss klares Ziel der nächsten Jahre sein.“
„Der MEP nennt diese Themen zwar. Aber er lässt die Entschiedenheit vermissen, sie anzugehen und rasch umzusetzen. Wenn uns die digitale Infrastruktur der Schulen am Herzen liegt“, so Klein, „dann darf deren Entwicklung nicht zu einem Akt des bürokratischen Abarbeitens werden. Vielmehr müssen wir uns dahinterklemmen. Die Digitalisierung muss Dauerthema im Bildungsausschuss sein. Wir müssen die IT-Koordinator:innen an den Schulen einbeziehen. Nur so erfahren wir von den Problemen in der Praxis. Statt das Feld der Bürokratie zu überlassen, muss Politik immer wieder deutlich machen, wie wichtig ihr eine bessere Digitalisierung der Schulen ist.“
Für die kommenden vier Jahre stehen 41,7 Mio. € bereit. Davon kommt knapp die Hälfte von Land und Bund über den Digitalpakt Schule. Sylvia Klein: „Wir GRÜNE sind bereit, noch mehr dazu zu geben. Wir möchten die Lehren aus Corona ziehen. Sie müssen in die Planungen eingehen. Wir wollen klare, entschiedene Schritte nach vorne. Das ‚Wir machen das so wie immer‘ der Großen Koalition ist uns zu wenig. Sollten wir nach der Wahl in Verantwortung kommen, werden wir genau hier deutlich nachsteuern.“