Reichweitenangst im Kreisausschuss

GRÜNE kritisieren Haltung der Kreiskoalition zur Elektromobilität

Schon im Sommer 2017 hatten die KreisGRÜNEN einen Antrag für mehr Elektromobilität in den Kreistag eingebracht. Alle Fraktionen außer den Linken lehnten ab. Um zu erfahren, wie die Kreisregierung heute zu alternativen Antrieben steht, hatten die GRÜNEN letztes Jahr eine umfangreiche Anfrage gestellt, die nun beantwortet wurde.

„So eine Antwort hätten wir noch nicht mal vom ADAC erwartet“, stellt der Niddaer Kreistagsabgeordnete Marcus Stadler fest. „Sie zeugt von mangelnder Kenntnis des Marktes und der Technik. Der mangelnde Wille der CDU-SPD-Koalition ist klar erkennbar. Das war schon beim Klimaschutz so, wo sie deutlich hinter dem Machbaren zurückbleibt. Dabei müssten gerade öffentliche Einrichtungen und Verwaltungen Vorbild sein. Beim Wetteraukreis ist es umgekehrt – viele Kommunen und auch Unternehmen sind da weiter.“

Die Koalition begründet ihre Zurückhaltung mit der aktuellen Unwirtschaftlichkeit alternativer Antriebe, z.B. mit der höheren Leasingrate. So gäbe es bei vielen Nutzfahrzeugen im Kreisfuhrpark keine Alternativantriebe. „Auch das ist nicht korrekt,“ so Thomas Zebunke, Kreistagsmitglied und Sprecher der Wetterauer GRÜNEN. „Neben den Lieferwagen der Post gibt es vier bis fünf marktbekannte Anbieter von solchen Fahrzeugen. Und Investitionen in die Zukunft kosten eben jetzt und rechnen sich für die nächste Generation. Ich selbst habe für mein neues Elektroauto hervorragende Konditionen bekommen bis hin zu Negativzinsen.“

Hingewiesen wird auf die geringe Reichweite von Elektrofahrzeugen. Im Winter kämen die nicht mal von Friedberg nach Gedern und zurück ohne zwischendurch nachzuladen. „Auch das ist widerlegbar“, sagt Marcus Stadler. “Es gibt heute kaum noch ein E-Auto mit einer Reichweite unter 300 km. Das ist für Fahrten in der Wetterau allemal genug. Für Fahrten quer durch Hessen gibt es ja noch die Bahn und da hat auch niemand was gegen einen Verbrenner. „Wir hatten solche Antworten erwartet. Deshalb fragten wir auch, wie oft die Fahrzeuge der Kreisverwaltung mehr als 200 km am Tag fahren. Die Antwort lautete 5% ! Damit hat die regierende Koalition ihre Reichweitenangst selbst widerlegt“.

Thomas Zebunke: „Niemand will den Menschen das Autofahren verbieten. Aber wer wirklich etwas gegen den Klimawandel und den Ressourcenverbrauch tun will, sollte weniger, langsamer und kleinere Autos fahren. Natürlich gehören dazu auch zunehmend alternative Antriebe. Für uns im Kreistag heißt das, den Fahrzeugpool der Kreisverwaltung zügig auf überwiegend solche Antriebe umzustellen. Wir können uns vorstellen, die Fahrzeugpools mit denen anderer Verwaltungen, vor allem der Stadt Friedberg, zusammen zu legen. Das wäre effizient. Und wir wollen Car-Sharing-Initiativen unterstützen, indem wir an ihnen teilnehmen.“