Wasser neu denken

GRÜNE fordern mehr Geschwindigkeit im Hochwasserschutz, Landesmittel stehen bereit

Die Büdinger Flutkatastrophe war Anlass für ein Treffen der GRÜNEN Kreistagsabgeordneten aus der östlichen Wetterau mit ihrer Landtagsabgeordneten Kathrin Anders. Sylvia Klein, Magistratsmitglied in Büdingen und GRÜNE Fraktionsvorsitzende im Wetterauer Kreistag fasst das Ergebnis des Treffens zusammen: „Gebot der Stunde ist jetzt ein gemeinsames überparteiliches Vorgehen aller, um solche Katastrophen in Zukunft zu verhindern. Das sollte mit derselben Solidarität geschehen wie unlängst beim Beschluss des Kreistags über die Hochwasserhilfe.“

Der Klimaexperte der Kreistagsfraktion, Marcus Stadler, erklärt dazu: „Das wir in einer zunehmenden Gefahr von Extremwettersituationen leben, ist allen schon länger bekannt, auch für Büdingen liegen die Gefahrenszenarien schon länger auf dem Tisch. Neu aber ist die Erkenntnis, dass im Zuge des Klimawandels die Gefahrensituationen noch schneller, häufiger und extremer kommen, als prognostiziert.“ Stadler erlebte 2014 selbst eine Dorfüberflutung in seinem Wohnort in Wallernhausen und resümiert: „Als unser Dorf innerhalb einer Stunde in einer Flutwelle unterging, dachte ich, jetzt sei der Startschuss für effizienten Klimaschutz und Klimaanpassung in der Wetterau gefallen. Doch Fehlanzeige. Außerhalb Niddas wird das Thema eher stiefmütterlich behandelt und im Wetteraukreis wurde das Klimaschutzkonzept gar zu einem zahnlosen Papiertiger zusammengestrichen. Das Thema Hochwasser wurde bis heute von allen Akteuren unterschätzt. Man fragt sich, wie oft denn noch sofortige Fluthilfe beschlossen werden muss, bis man an die wirklichen Ursachen geht. Wir brauchen den engagierten Dreiklang von Klimaschutz, Hochwasserschutz und Naturschutzprojekten, wenn wir uns für die Zukunft wappnen wollen.“

„Der Schnee des Vogelsberges, den wir so dringend für unsere Grundwässer gebraucht hätten, ist letzte Woche in weniger als einem Tag abgeschmolzen und als Welle bergab gerast. Jetzt ist der Unterboden nach drei Jahren Trockenheit immer noch zu trocken, einige Städte zudem überschwemmt, und die Auen halten das Wasser nicht, sondern entwässern zu schnell in Richtung Rhein-Main. Wir müssen Wasser in der Wetterau neu denken. Gegen solche hohen Flutspitzen hilft nur noch großdimensionierter technischer Hochwasserschutz, wie das Rückhaltebecken in Eichelsdorf beweist. Es hat diesmal für Nidda das Schlimmste verhindert. Das müssen auch wir GRÜNE selbstkritisch anerkennen. Zusätzlich aber brauchen wir vielfältige Naturschutzprojekte wie kleinere Rückhaltesysteme in den Wäldern, Kaskaden-Anlagen in den Bachauen sowie die Rekultivierung von Flussauen und Bachläufen, um das Wasser im Hang und in der Fläche zu halten. Damit es gleich dort verlangsamt wird und auch versickern kann. All diese Ideen abzuwägen und zu keiner Entscheidung zu kommen, ist nicht zielführend. Wir brauchen all diese Maßnahmen, ganz gleich ob präventiv oder reaktiv. Wir brauchen zügige Entscheidungen für einen effektiven Hochwasserschutz“, bekräftigt Stadler.

Die Landtagsabgeordnete Kathrin Anders berichtet: „Auf Nachfrage beim Hessischen Umweltministerium wurde mir mitgeteilt, dass Mittel für den Bau eines Rückhaltebecken „Am Hammer“ zur Verfügung stehen. Allerdings hat der zuständige Wasserverband mit Herrn Arnold an der Spitze bisher noch keinen Antrag gestellt. Obwohl die Gefahren seit langem bekannt sind und Vorschläge zur Umsetzung vorliegen. Zudem kann das 100-Wilde-Bäche-Programm des Landes Hessen genutzt werden, um die kleineren Zuläufe zu renaturieren. So wird Wasser wieder Raum gegeben. Die Förderquoten wurden hier mit bis zu 90% bewusst hoch angesetzt. Naturschutz an Gewässern ist der beste Hochwasserschutz, wie die Renaturierungen an der Nidda zeigen.“

Sylvia Klein bezweifelt, dass offene Schuldzuweisungen und aktuelle Kompetenzrangeleien seitens des Abwasserverbandes zweckdienlich sind: „Die Stadt Büdingen ist doch genau deshalb Mitglied im Abwasserverband, um von Experten beraten zu werden. Wenn es Prognosen und Szenarien gibt, die auf solche hohe Gefahren hinweisen, muss ich doch mehr Aktivität erwarten können. Wir brauchen jetzt keine Rückschau, sondern eine klare Planvorstellung: Was braucht es, um zukünftige Hochwässer basierend auf den Werten der Flutkatastrophe einzudämmen. Ebenso brauchen wir einen Zeitplan, an dem transparent ablesbar ist, wie wir vorankommen. Wir wollen das alle so nicht noch einmal erleben, das sind wir den Bürger*innen in Büdingen schuldig“, betont Sylvia Klein.