Nachdem die vierte Coronawelle voll am Laufen ist, kommt endlich auch der Wetteraukreis aus den Startlöchern. Mit rotierenden Impfangeboten will er ab dem 29. November fehlende Erst- und notwendige Auffrischungsimpfungen stemmen. Doch baut er mit der Impfanmeldung über die Hausarztpraxen und einer Hotline im Gesundheitsamt ein Nadelöhr in das Angebot ein. Im Sommer wurde die Lage unterschätzt und klein geredet, jetzt wird sie wieder altbacken gemanagt. Nur in Folge des Erlasses des Sozialministeriums vom Samstag entsteht nun wohl in Wölfersheim noch ein festes Impfzentrum. Die Forderung der GRÜNEN: Ein schnelles, niederschwellig erreichbares und umfassendes Angebot für alle.

Fraktionsvorsitzende Isil Yönter: „Wir warnten im Juli im Sozialausschuss davor, dass mit dem Runterfahren der Impfmaßnahmen und der Schließung des Impfzentrums die falschen Signale gesendet würden. Zwar war seinerzeit die Impfquote beachtlich, wenn auch nicht hoch genug. Im Ausland aber liefen zur gleichen Zeit schon die Auffrischungsimpfungen an. Während Andere im Ausschuss die Warnung kritisierten, räumte der Gesundheitsamtsleiter Dr. Merbs immerhin ein, man solle auf der Hut sein. Ende des Jahres könnten alle Intensivbetten wieder belegt sein. Von Auffrischungsimpfungen hielt aber auch er im Juli nichts. Eine fatale fachliche Fehleinschätzung auf mehreren Ebenen. Sich zurücklehnend in Sicherheit zu wiegen war und ist der falsche Ansatz“.
Angesichts der aktuellen Entwicklung rechnen die GRÜNEN damit, dass viele im Land sich nun doch zur Impfung entschließen. Diejenigen, die sich zweitimpfen lassen, die über 18 Jährigen und auch 2 Mio. der ab 12 Jährigen. Hinzu kommen die Auffrischungsimpfungen der bereits voll Geimpften. Yönter: „Der Wetteraukreis ist auf diesen Bedarf nicht hinreichend vorbereitet. Der Impfdurchlauf 2.0 lahmt. Andere Kreise waren vorausschauender, sind weiter. So haben ältere Menschen aus der Wetterauvom Land Hessen ein Schreiben erhalten, in dem ihnen die Auffrischungsimpfung angeboten wird. Dem Brief ist eine Adressliste mit stationären Impfstellen in Hessen beigefügt, leider ohne Listung des Wetteraukreises unter den 16 Kommunen und Landkreisen.“
Bei der nun geplanten Lösung der rotierenden Impfangebote stellen sich den GRÜNEN zwei entscheidende Fragen. Kreistagsabgeordnete Myriam

Gellner: „Reicht das Angebot für den Bedarf aus, und wie kommen die Menschen zu ihrem Termin? Telefonisch in Arztpraxen durchzukommen ist im Regelfall schon ein Problem. Nun kommen hier noch die Anrufversuche der Impfwilligen hinzu. Verdruss und ein physischer Ansturm auf Arztpraxen ist damit vorprogrammiert. Jedes Warten vor den Praxen oder in vollbelegten Wartezimmern birgt weitere Risiken. Auch die Hotline des Kreises scheint nicht wirklich auszureichen, wenn schon öffentlich vorgewarnt wird, dass die Anrufenden Geduld mitbringen sollen.“
Gellners Kollegin Isabella McNicol: „Wir sind sehr skeptisch und werden kritisch beobachten, wie der Start der Impfzentren in einer Woche läuft. Wir fragen uns, warum es keine Impfportale wie im Hochtaunuskreis gibt, an denen sich jede und jeder jederzeit anmelden kann. Wir hoffen, dass diesmal der Impfstoff zeitig bestellt wird und somit genügend vorhanden ist. Wir werden nicht zögern, per Dringlichkeitsantrag in der Kreistagssitzung am 08.12. zu reagieren, wenn sich die Lösung im Wetteraukreis als untauglich erweist.