Die CDU-SPD-Koalition im Kreistag will den Inklusionsbeirat mit dem Diversitätsbeirat zusammen legen. Die Fraktion der GRÜNEN will das nicht, scheiterte aber mit einem entsprechenden Antrag an der Koalition. Warum die Aufgabe des eigenständigen Inklusionsbeirats ein schlechter Plan ist, begründen Sascha Nuhn, gehörloser Kreistagsabgeordneter, sein Kollege Oliver Seuss, Vater und Betreuer einer Tochter mit Behinderung, sowie die Co-Fraktionsvorsitzende Isil Yönter.

Sascha Nuhn: „Sollen Menschen mit Behinderung wahrgenommen, gehört und ernst genommen werden, ist ein eigenständiger, funktionierender Inklusionsbeirat zwingend erforderlich. Als der Ort, um die vielen ausstehenden Problemstellungen zu beraten und Lösungsansätze zu generieren. Laut Koalition liefe ‚im Wetteraukreis alles gut, es gäbe die gelebte Inklusion‘. Dann fragt sich, warum der vor knapp zwei Jahren vom Inklusionsbeirat beschlossene Aktionsplan noch immer nicht in Kraft und im Haushalt kein Geld zu dessen Umsetzung bereitgestellt ist. Im Buch zu 50 Jahren Wetteraukreis wird der Kreis ‚auf dem Weg zur Inklusion‘ beschrieben. Wir wissen, dass inzwischen auch Teile der Sozialdemokratie darüber den Kopf schütteln.“

Oliver Seuss beschreibt, wie der reale Alltag von Menschen mit Behinderungen aussieht: „Rechtliche Ansprüche müssen beim Sozialgericht per Klage eingefordert werden. Umfangreiche, verklausulierte kaum verständliche Schreiben haben den Zweck der Abschreckung, Rückfragen werden erst gar nicht beantwortet. Dazu passt das Vorhaben, Inklusion mit Diversität in einem Beirat zusammenzufassen. So lassen sich sozialpolitisch unangenehme Themen in die Bedeutungslosigkeit überführen.“

Isil Yönter hat keinerlei Verständnis für die Politik der Koalition: „Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, 2006 beschlossen und seit 2008 in Kraft, ist ein eigenes und wichtiges Vorhaben. Die Sozialpolitiker:innen von CDU und SPD haben nicht verstanden, was Ziel und Zweck von Diversitätsmanagement und von Inklusion ist. Beides sollte einander gesellschaftlich ergänzend verankert und nicht vermischt werden. Kreispolitik hat die Aufgabe, Inklusion als ‚Barrierefreiheit‘ und ‚Teilhabe‘ in den von ihr zu verantwortenden Handlungsfeldern konkret umzusetzen“.
Nicht gelten lässt Yönter das Argument von Effizienz und mangelnder Personalkapazität, mit der die Koalition die Zusammenlegung begründet. Schließlich geht es hier um wichtige ehrenamtliche Arbeit. „Da hat der Inklusionsbeirat den Aktionsplan erarbeitet, dann passierte trotz Nachfragen jahrelang nichts, und nun wird er über seine geplante Auflösung noch nicht mal informiert. Bei 50 Jahre Wetteraukreis auf dem Glauberg wurde das Ehrenamt gefeiert. Hier wird es maximal entwertet. Von der gleichen Koalition. Wir rufen die CDU und SPD auf, ihre Haltung zu überdenken und ihre Pläne zu stoppen. Der Inklusionsbeirat muss eigenständig erhalten bleiben!“