850 Betten, 2.000 Mitarbeitende, sechs Standorte, fünfzehn Einrichtungen, 26.000 stationäre, 110.000 ambulante Fälle, 125 Mio. € Umsatz im Jahr. Das sind die Zahlen des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW). Seit gut einem Jahr gehört es allein dem Wetteraukreis. Anlass für eine Gruppe GRÜNER Kreistagsabgeordneter, den Austausch mit GZW-Geschäftsführer Dr. Fellermann zu suchen.
Zu besprechen gab es in Sachen kreiseigenes Krankenhaus eine Menge. Wie sieht es wirtschaftlich aus, wie ist das GZW für die Krankenhausreform aufgestellt, wie steht es um die baulichen Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, welche aktuellen Entwicklungen gibt es?
Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser in Deutschland hat im Jahr 2024 einen historischen Tiefpunkt erreicht, so Dr. Fellermann. Seit Einführung des Fallpauschalen-Systems im Jahr 2003 haben noch nie so viele Krankenhäuser Verluste verzeichnet wie im Jahr 2023 (61 % der Häuser) und eine so schlechte wirtschaftliche Lage beklagt wie 2024. Der Anteil der Kliniken mit unbefriedigender wirtschaftlicher Lage erreichte im Berichtsjahr 2024 einen Höchststand von 80%, und der Anteil der Häuser in guter wirtschaftlicher Lage mit fünf Prozent einen absoluten Tiefststand. Für das Jahr 2024 gehen 79% der Krankenhäuser von einem negativen Jahresergebnis aus. Zwei Drittel der Häuser erwarten für das Jahr 2025, dass sich ihre wirtschaftliche Situation nochmals weiter verschlechtert. Entsprechend hat sich auch das Defizit auf 11 Mio.€ jährlich verdoppelt, das der Wetteraukreis für das GZW zu tragen hat.
Mit Blick auf die Krankenhausreform und das System der Leistungsgruppen sieht der Geschäftsführer das GZW gut aufgestellt. Das Vorhaltebudget für Kliniken sieht er wiederum kritisch. Obwohl die Reform eigentlich eine Abkehr von Fallzahlen einleiten sollte, richtet sich das Vorhaltebudget genau wieder danach. Fellermann betonte die enge Zusammenarbeit des GZW mit der Kerckhoff-Klinik am Standort. Zusammen mit ihr umfasst das Angebot nahezu 2/3 der definierten Leistungsgruppen. Fazit daraus: Zusammen sind Kerckhoff-Klinik und GZW eigentlich Maximalversorger.
Für den Standort Schotten wurde kürzlich und endlich der Sicherstellungszuschlag seitens des Landes erteilt. Auch in Schotten soll investiert werden. Trotz des Trends zu mehr ambulanter Behandlung steigt laut Fellermann die stationäre Auslastung in den Kliniken des GZW. Einfacher Grund hierfür ist die demographische Entwicklung. Die Zahl der Älteren in der Bevölkerung steigt – und Ältere verweilen länger in stationärer Behandlung.
Sichtbar sind inzwischen auch die ersten Ergebnisse der umfangreichen Investitionen in das GZW. Das Parkdeck wurde in den letzten Monaten hochgezogen. Die nächsten Baumaßnahmen am eigentlichen Krankenhausgebäude stehen unmittelbar bevor. Ziel ist die Modernisierung zahlreicher Bereiche und die Konzentration der stationären Versorgung am Standort Bad Nauheim. Die Finanzierung von ca. 130 Mio. Euro steht, hatte doch der Kreistag im September beschlossen, das restliche Finanzierungsdelta von 30 Mio. € zu tragen.
Als besonderes Highlight beschrieb Dr. Fellermann die Entwicklung der Theodora-Konitzky-Akademie als Aus-, Fort- und Weiterbildungszentrum im Gesundheitswesen. Inzwischen werden dort über 200 Frauen und Männer im Gesundheits- und Pflegewesen ausgebildet. Die Entwicklung von Akademie aber auch des gesamten GZW bringt neue Herausforderungen mit sich, die Dr. Fellermann in Form von Wünschen an die Politik zusammenfasste: Auszubildende brauchen Unterkunfts- und Wohnmöglichkeiten, die Konzentration des stationären Betriebs in Bad Nauheim braucht einen für die Beschäftigten passenden Nahverkehr und ein Betriebskindergarten wäre hilfreich für die Gewinnung und Bindung von Personal.
Drei Stunden nahm sich Dr. Fellermann Zeit für die GRÜNEN-Abgeordneten. Kreisausschussmitglied Brigitta Nell-Düvel im Namen der Gruppe: „Wir danken Herrn Dr. Fellermann für das sehr offene Gespräch, das uns tiefe und manchmal überraschende Einblicke in das operative und strategische Handeln „unseres“ Klinikkonzerns gab.“