Eine Resolution zum Einsatz von Recyclingpapier in Hygienepapieren wurde in der letzten Kreistagssitzung von den Vertreter*innen von CDU und SPD abgelehnt. Die GRÜNEN hatten beantragt, dass bei der Herstellung von Hygienepapieren, also Papiertaschentüchern, Toilettenpapier, Küchenrollen usw., künftig feste Quoten von bspw. mindestens 50 % für den Einsatz von Altpapier gelten. Dem Umweltdialog, einem Nachrichtendienst zum Thema Nachhaltigkeit, zu Folge, lag der Altpapieranteil in Hygienepapieren 1996 mit 68 % deutlich höher als 2016 mit nur noch 48 %. Für deren Produktion kann sogar Altpapier gemischter Qualität verwendet werden. Fraktionsvorsitzender Michael Rückl: „Auch das Umweltbundesamt rät dringend zu einem höheren Anteil von Altpapier in der Produktion von Hygienepapieren. Wir hielten es deshalb für sinnvoll, dass sich u.a. der Kreistag gegenüber dem Bund und der EU- Kommission für die Einführung klarer Vorgaben in der Produktion einsetzt. Letzten Endes profitierten davon auch die Gebührenzahler*innen in der Wetterau.“
Preisverfall beim Altpapier
Die Vermarktung von Altpapier ist seit ca. drei Jahren problematisch. Der Zusammenbruch des asiatischen Marktes bedingt in Europa einen ständigen Preisverfall. Die Kreise sind in Hessen für die Vermarktung der Wertstoffe aus dem Hausmüll zuständig. Der GRÜNE Kreistagsabgeordnete Gerhard Salz, sowohl in der Betriebskommission des Abfallwirtschaftsbetriebes als auch Aufsichtsrat der Wetterauer Entsorgungsanlagen GmbH, rechnet dazu vor: „Im Jahr 2017 wurden im Kreis noch ca. 2,6 Mill. € durch den Verkauf von Altpapier erlöst, im Jahr 2021 sollen es nur noch 200.000 € sein. Damit fehlen jährlich ca. 2,4 Mill. € bei den Einnahmen, die Gebührenausgleichsrücklage von 4,8 Mill. € (Stand Ende 2019) wäre also in ca. zwei Jahren aufgebraucht. Das bedeutet eine deutliche Gebührenerhöhung für den Restabfall ab dem Jahr 2022. Nach Willen der GRÜNEN soll dem entgegengewirkt werden.“
Produkte mit dem Blauen Engel kaufen!
Das Papierrecycling kann unterstützt werden, indem beim Einkauf von Papierprodukten auf solche mit dem Blauen Engel geachtet wird. Der steht in den meisten Fällen für einen hohen Anteil an recyceltem Altpapier im neuen Produkt. Je höher die Nachfrage nach diesen Papierprodukten, umso mehr Altpapier lässt sich verwerten. Dann steigt auch der Preis. Die Qualität dieser Produkte steht mittlerweile den normalen Zellstoffprodukten aus Holz in keiner Weise nach.
Wetterauer Mitbürger*innen beim getrennt Sammeln spitze
Die Einsammlung des Altpapiers in der blauen Tonne ist sowohl qualitativ als auch quantitativ nicht zu beanstanden. Salz dazu: „Die Getrenntsammlung funktioniert beim Papier sehr gut, Fehlwürfe kommen selten vor. Die eingesammelte Menge liegt im Wetteraukreis seit Jahren deutlich über dem Hessischen Durchschnitt. Deshalb ist es weiter vernünftig, das Papier getrennt zu sammeln und zu verwerten.“
GroKo: „Nicht zuständig“
CDU und SPD im Kreistag waren in ihrer schläfrigen Bequemlichkeit nicht bereit, eine solche Resolution zu unterstützen. Michael Rückl: „Beide Parteien stellen auch im Bund Koalition und Regierung. Druck von unten, auch von den eigenen Parteikolleg*innen, wäre im vorliegenden Fall durchaus angebracht gewesen. Die Verweigerung jeglicher Initiative mit dem Verweis auf Nicht-Zuständigkeit ist einfach und billig. Schließlich sollte es das Interesse aller im Kreistag sein, Wege zu finden, die am Ende die Geldbeutel ihrer Mitbürger*innen schonen.“