Gibt der Kreis seine sozialpolitische Verantwortung auf? Ausbildung im Reinigungsbereich bei null und tendenziell weniger Stellen

Der Wetteraukreis plant, die Eigenreinigung seiner Gebäude weiter zu reduzieren. Die  Ausbildung im Bereich Gebäudereinigung ist vollständig eingestellt. Laut Antwort auf eine Anfrage der GRÜNEN-Fraktion sollen die kreiseigenen Stellen in der Reinigung von derzeit 47 auf 33,5 bis 2030 abgebaut werden. Immer stärker setzt der Kreis auf Fremdreinigung, deren Lohnniveau allerdings deutlich unter der der Eigenreinigung liegt.  Während der Kreis seine Beschäftigten mit rund 20 € pro Stunde entlohnt, zahlen Fremdreinigungsfirmen oft nur maximal 15 €. Dieses Niveau liegt nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland, der in 2026 auf 13,90 € und 2027 auf 14,60 € steigt.

Kreistagsabgeordnete Isil Yönter

„Der Wetteraukreis entzieht sich hier seiner sozialpolitischen Verantwortung“, kommentiert Isil Yönter, Co-Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die GRÜNEN im Kreistag, die Entwicklung. „Statt in gute Arbeitsbedingungen und qualifizierte Ausbildung zu investieren, setzt man auf Auslagerung und Niedriglohn. Das ist kein zukunftsfähiges Modell, sondern ein sozialer Rückschritt. Bedauerlich ist, dass auch die SPD dieses Vorgehen unterstützt, obwohl sie sich üblicherweise für gute Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung einsetzt. Der Abbau von Ausbildungsplätzen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen in weniger stabile Beschäftigungsverhältnisse entsprechen nicht den Interessen der Beschäftigten und stehen einer verlässlichen öffentlichen Daseinsvorsorge entgegen.“

Die GRÜNEN fordern die CDU-SPD-Koalition im Wetteraukreis auf, die Pläne zur Reduzierung der Eigenreinigung und zum Ausbildungsstopp zu überdenken. Ein entsprechender Antrag ist für die Beratung und Beschlussfassung des Änderungshaushalts 2026 vorbereitet. „Wir erwarten, dass der Kreis auch für Arbeitsplätze im unteren Einkommenssegment Verantwortung übernimmt. Öffentliche Einrichtungen müssen mit gutem Beispiel vorangehen – durch faire Löhne, sichere Beschäftigung und eine verlässliche Ausbildung. Alles andere wäre ein deutliches Versäumnis in der Sozialpolitik des Kreises“, so Yönter.