Wetteraukreis soll Projekt in Entwicklungs- oder Schwellenland starten
Die Globalisierung ist im Zuge der Coronakrise wieder einmal – zurecht – in die Kritik geraten. Die Nachteile der gegenseitigen Abhängigkeiten in Produktion und Handel haben diesmal auch reiche Länder wie Deutschland zu spüren bekommen. Andererseits ist die Welt nicht mehr anders als international vernetzt denkbar – und das ist auch gut so. Die Herausforderung besteht darin, die Beziehungen zwischen allen Ländern, besonders aber zwischen Arm und Reich, gerecht zu gestalten und globale Probleme wie den Klimawandel oder auch die Coronapandemie gemeinsam anzugehen.
Das ist eine große Aufgabe, die Engagement auf allen Ebenen erfordert. Der Wetteraukreis sollte sich daran im Rahmen seiner Möglichkeiten beteiligen. Die GRÜNEN-Fraktion hat deshalb zur nächsten Kreistagssitzung am 23. September den Antrag gestellt, ein Konzept für ein Projekt der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit zu entwickeln. Nachhaltigkeit soll dabei im Mittelpunkt stehen.
„Solche Projekte auf kommunaler Ebene sind ein kleiner, aber wichtiger Baustein der internationalen Entwicklungszusammenarbeit“, sagt die Vorsitzende der Fraktion, Sylvia Klein. „Sie erschließen den Beteiligten auf beiden Seiten unbekannte Lebenswelten und führen oft zu langjährigen persönlichen Beziehungen.“ Von solchen sehr praxisorientierten Partnerschaften können beide Seiten enorm profitieren. Oft stoßen sie auch das Engagement anderer Akteure vor Ort an, zum Beispiel von Schulen oder Vereinen.
Das zu erarbeitende Konzept soll inhaltliche Schwerpunkte benennen, die zum Wetteraukreis passen, den möglichen organisatorischen Rahmen skizzieren und Fördermöglichkeiten aufzeigen. „Mögliche Themenfelder sind zum Beispiel Klimaschutz oder -anpassung, die Abfallwirtschaft oder auch Schulbau“, erklärt Klein. „Es gibt sehr viele positive Projektbeispiele, die man sich zum Vorbild nehmen kann.“
Der Landkreistag intensiviert derzeit sein Engagement in dem Bereich, um die Landkreise zu unterstützen. Hilfe gibt es auch von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW), die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeitet. Sie unterstützt Kommunen und Landkreise in allen Fragen kommunaler Entwicklungszusammenarbeit, bietet Beratung und finanzielle Unterstützung und vermittelt Fachkräfte.
„Der Wetteraukreis sollte die Initiative des Landkreistags und die zahlreichen Hilfestellungen nutzen, um selbst in die kommunale Entwicklungszusammenarbeit einzusteigen“, fordern die GRÜNEN. In der Vergangenheit hat der Kreis bereits ein Projekt des Weltfriedensdienstes in Guinea-Bissau unterstützt. Es wäre schön, dieses Engagement – jetzt mit einer eigenen Initiative – aufzugreifen und zu einer langfristigen Partnerschaft auszubauen.