Die Neuvergabe der Schulsozialarbeit schlägt hohe Wellen. Oppositionsfraktionen im Wetteraukreis reagieren mit Anfragen und öffentlicher Kritik auf diese Vergabe. Auch die Fraktion der GRÜNEN hat eine Anfrage eingereicht. Sie dreht sich darum, dass die Sozialarbeiter:innen beim künftigen Dienstleister RDW 600 – 900 Euro womöglich weniger verdienen als bisher. Der permanente Verweis der Verantwortlichen, dass nach einem Tarifvertrag bezahlt wird, drückt sich um eine klare Antwort zu diesem Vorwurf herum.
Fraktionsvorsitzende Isil Yönter, von Berufs wegen Familientherapeutin und Supervisorin: „Sollte sich bewahrheiten, dass die Bezahlung bei RDW nach Tarifvertrag der Weiterbildungsbranche tatsächlich erheblich unter der bisherigen Entlohnung liegt, dann muss von Lohndumping auf Kosten von langjährigen Mitarbeiter*innen gesprochen werden. Und das ausgerechnet unter der Verantwortung einer SPD-Dezernentin. Eine Partei, die sonst für sich mit fairer Bezahlung und Branchentarifbindung wirbt, und dass Menschen von guter Arbeit sicher leben sollen, geht in der Wetterau andere Wege. Sparpolitik, Personalmangel, Arbeitsverdichtung – sind das die neuen Werte des Sozialdezernats?“
Bedenklich finden die GRÜNEN auch, dass langjährig aufgebaute Netzwerke und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Lehrer:innen und Schüler:innen zerschlagen zu werden droht. Dorothea Warns-Ventulett, Kreistagsabgeordnete und seit Jahren im sozialen Umfeld der Wetterau gut vernetzt: „Deshalb wollen wir genau wissen, was die rechtliche Grundlage der Ausschreibung ist. Denn es macht wenig Sinn, gut eingespielte, funktionierende Arbeitsprozesse und Beziehungen alle vier oder jetzt alle sechs Jahre zu zerschlagen.
Fraktionskollege Oliver Seuss, selber Lehrer, zeigt sich verärgert über das Timing: “Seit der Corona-Pandemie und dem dadurch verursachten unregelmäßigen Schulangebot, sind zahlreiche Kinder und Jugendliche in ihrer sozialen Kompetenzschulung stark zurückgefallen. Wie verträgt es sich, dass der Wetteraukreis ausgerechnet in dieser beginnenden Post-Pandemiephase mit einer enorm angestiegenen Zahl von Inobhutnahmen, stationären Einweisungen und Verhaltensauffälligkeiten eine neue Trägerausschreibung vornimmt?